Reisebericht Hongkong & Taiwan

In den vergangen Jahren kam ich ja häufiger in den Genuss asiatischer Biere, da mir mein guter Freund Jan aus seiner Wahlheimat Hongkong und den umliegenden Ländern gerne mal ein Präsent mitbrachte. Nun hat es mich diesen Spätsommer selber für 2 Wochen (inkl. einem Kurztrip nach Taiwan) dorthin verschlagen, sodass ich mir selber ein Bild von der Situation vor Ort machen konnte.

Durch die zuvor beschriebene Tatsache waren mir die klassischen Biere in den Regalen durchaus bekannt, sodass es die Suche nach etwas neuen doch erschwerte. Die durchaus in Hongkong und Taiwan vertretenen kleinen, heimischen Brauereien (mit Ausnahme von Gweilo) konnte ich in keinem klassischen Supermarkt entdecken. Lediglich folgende Biere der Großbrauereien aus den umliegenden Ländern schienen mir erwähnenswert:


Zwei sehr klassische Biere aus Taiwan, die es quasi an jeder Ecke zu kaufen gab. Vorallem das Taiwan Beer erfreut sich großer Beliebtheit und ist mit 80 % Marktanteil der klare Marktführer. Es wird nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut (es enthält Reis). Schmeckte erstaunlich gut für ein Standart Bier.


Kujyukuri Ocean Beer – Pils (5 %):
Pilsener von der Kankiku Brewery, einer Micro-Brewery aus Sanbu-gun in der Chiba Präfektur von Japan. Ein sehr klassisches Pils mit etwas stärkerer Malznote, die das Pils etwas süßer dastehen lässt als die klassischen Vertreter.


Kujyukuri Ocean Beer – IPA (5,6 %):
Deutlich fruchtiger als das Pils, behält dabei aber seine malzige Note. Im Abgang mit einer für asiatische Biere guten Bitterkeit.


MOA Session Pale Ale (4,3%)
Von der MOA Brewing Company aus Marlborough in Neuseeland. Körper recht leicht aber dabei gut gehopft. Die vier Hopfensorte Kohatu, Nelson Sauvin, Cascade und Motueka machen das Bier gut fruchtig und erfrischend. Genau das richtige beim schwül-warmen Hongkonger Wetter.

Lediglich in ausgewählten Bars konnte man die Biere der lokalen Brauereien frisch vom Fass ergattern. Hier lohnt es sich auf jeden Fall danach Ausschau zu halten. Wer den geselligen TaBier ebenfalls auf Facebook verfolgt, wird die kurzen Berichte bereits gelesen haben.

Ein absoluter Volltreffer war allerdings die Tatsache, dass vom 22. bis 23. September das Craftbeer-Festival Beertopia auf dem Fährhafengelände von Hongkong Island stattfand. Vor einer atemberaubenden Kulisse konnte man zahlreiche Bier aus aller Welt mit Schwerpunkt auf Asien bzw. Hongkong verköstigen. Alle hier aufzulisten, wäre zu viel des Guten. Es sei nur zu sagen, dass einige Biere, auf Grund der großen Freundlichkeit mancher Brauer, probiert werden konnten ohne dafür tief in die Tasche greifen zu müssen. Diese Tatsache, die ich keinesfalls als selbstverständlich betrachte, ließ den sehr teuren Eintrittspreis von über 25 €, wovon knappe 10 € Wertmarken waren, schnell wieder vergessen. Dafür bekam man aber auch mehrere Live-Bands, sowie einen DJ geboten, die teilweise für Partystimmung sorgten. Wäre die Veranstaltung, wie vorher angekündigt, nicht bereits um 23 Uhr geschlossen worden, es wäre eine sehr lange Nacht geworden.
Biertechnisch in Erinnerung geblieben sind beispielsweise die Jungs vom Hongkonger Homebrewing Project. Ihnen wurde auf dem Festivalgelände eine Fläche zur Verfügung gestellt auf der sie ihre Biere der breiten Masse zeigen konnten.

Die sehr teure Lizenzierung und die räumlichen Gegebenheiten in Hongkong lassen es meist nicht zu, dass die Eigenkreationen von jungen, kreativen Brauern den Horizont des „Garagenverkaufs“ an Freunde und Bekannte überschreiten.
Ähnliches hörte man am Stand der Mahanakhon Brewery. Eigentlich in Thailand ansässig, wird das Bier aktuell in Taiwan gebraut. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die beiden weltbekannten thailändischen Biere Chang und Singha fest in Hand der Regierung sind und jedem Konkurrent auf dem inländischen Markt konsequent Steine in den Weg gelegt werden. So war die Auslagerung laut Aussage zwingend notwendig, um die Brauerei überhaupt aufrecht zu erhalten.
Insgesamt ein klasse Festival, dass einiges zu bieten hat. Neben dem verköstigen von zahlreichen Bieren aus teilweise exotischen Ländern wie beispielsweise dem Libanon, konnte man zahlreiche Interessante Gespräche mit den Braueren vor Ort führen. Und das alles vor einem Setting das seinesgleichen Sucht. Absolute Weiterempfehlung!

 

Advertisements

Gweilo IPA


IPA
330 ml
4,8 % vol.

Vor mir steht heute das zweite Bier der jungen Hongkonger Brauerei Gweilo Beer. Es ist der „große Bruder“ des bereits von mir getrunkenen Pale Ale, das IPA. Da sind die Hoffnungen natürlich groß, dass dieses Bier ebenfalls zu überzeugen weiß. Es wird mit europäischen Malz und aus einer geheimen Hopfenzusammensetzung aus dem Südpazik und Amerika gebraut.
Das Etikettendesgin unterscheidet sich bis auf den Schriftzug IPA nicht von dem des Pale Ale. Auch hier ist eine englische Wörterbuchdefinition des Begriffs Gweilo zu lesen.
Das IPA hat eine geringere Schaumbildung als der kleine Bruder, was ehrlich gesagt nicht sonderlich schwierig ist bei der Schaumexplosion, die das Pale Ale hervorruft. Das Bier ist trüb und kupferfarbend. Insgesamt sehr ansprechend.
Der Schaum ist zudem deutlich gröber aber ausreichend vorhanden und beständig, wenn auch nur einen halben Finger breit. Der Geruch ist nicht ganz so fruchtig, sondern eher brotig mit süßen Tendenzen.
Leider ist auch dieses Bier zu stark karbonisiert, was den Antrunk etwas erschlägt und kaum Raum für irgendein Aroma lässt. Wenn das prickeln im Gaumen dann irgendwann mal nachlässt, entwickelt sich ein recht erfrischender und süffiger Körper. Dieser geht nach dem sehr unruhigen Antrunk leicht durch die Kehle. Der Abgang weiß dann mit einem gut gehopften Aroma zu überzeugen. Das trockene Ende beschäftigt die Geschmacksknospen auch danach noch etwas. Dennoch ist dieses IPA sehr gemäßigt was das Aromen- und Hopfenspiel angeht. Es ist definitiv kein schlechtes Bier, trifft für meinen Geschmack aber den Bierstil nicht ausreichend.

Gweilo Pale Ale


Pale Ale
330 ml
4,5 % vol.

Beim heutigen Bier handelt es sich um ein Pale Ale der jungen Hongkonger Brauerei Gweilo Beer. Diese hat sich auf die Fahne geschrieben, die lokale Bier Welt zu bereichern und eine qualitativ hochwertige Alternative anzubieten. Nach den jüngsten Erlebnissen bezüglich asiatischer Biere von Großbrauereien scheint dies ein Hoffnungsschimmer am Horizont zu sein. Also voller Elan ran an dieses Bier.
Beim Etikett hat sich die Brauerei etwas ausgedacht, dass ich so noch nicht gesehen habe. Im Endeffekt ist das Etikett nicht mehr als ein Auszug aus einem Wörterbuch, der den Begriff Gweilo beschreibt. Schlicht in schwarz-weiß gehalten macht es in meinen Augen einen ganz guten Eindruck.
In einer goldenen Farbe mit leichtem Orangestich steht dieses leicht trübe Bier im Glas. Auf diesem krönt ein voluminöser und sehr beständiger Schaumdeckel. Da kann man auch noch so behutsam einschenken, der Schaum drängt sich einem quasi auf. Und bereist beim Einschenken verströmt dieses Bier einen stark fruchtigen Duft, der selbst die durch Heuschnupfen geplagte Nase durchdringt.
Der Antrunk ist entgegen des Geruchs etwas dünn geraten und leicht wässrig. Doch dieser Eindruck wird relativ schnell durch ein Geschmackserlebnis abgelöst, welches sich deutlich von allen „großen“ asiatischen Bieren abhebt. Ein voller Körper, der die Fruchtigkeit der eingesetzten Hopfensorten gut herausstellt. Leider ist das Bier etwas zu stark karbonisiert, sodass dies den Geschmack etwas unterdrückt. Für einen asiatischen Vertreter ist der Abgang recht herb und stellt heraus, dass bei der Produktion nicht am Hopfen gespart wurde. Definitiv konkurrenzfähig mit hopfenbetonten Bieren aus unseren Gefilden.
Ein gutes Bier aus der Sonderverwaltungszone Chinas, das Hoffnung macht, das sich die Qualität asiatischer Biere in der Zukunft auch zum positiven entwickeln wird. Großen Dank an meinen guten Freund aus Fernost !

Blue Girl

20140309_205907 20140309_205928 20140309_210018

Lager
330 ml
5,0 % alc.

Blue Girl ist ein Lager von Jebsen & Co. mit Hauptsitz in Hongkong. Soweit ich es herausfinden konnte, lässt Jebsen & Co. das Bier in der Oriental Brewery in Seoul, Südkorea, brauen. Jebsen & Co. ist ein Marketing- und Vertriebsunternehmen für Luxusprodukte, Getränke, Elektronik- und Konsumgüter und industrieller Ausrüstung. Das Unternehmen befindet sich in Händen von dänischen Besitzern, deren Vorfahren Deutsche waren und Blue Girl im Jahre 1906 übernommen haben. Zuvor soll es laut Herstellerangaben bereits seit dem 18. Jahrhundert in Bremen gebraut worden sein. Es wurde nach China, genauer gesagt Qingdao, importiert, um die dort stationierten deutschen Truppen zu versorgen. Nachdem Jebsen & Co. 1906 das Bier übernommen haben, wurde es nach und nach in weitere Länder eingeführt und ist heutzutage besonders stark in Macau, Taiwan, China und Hongkong vertreten.
Um die Asiaten von dem Bier mit deutscher Tradition zu begeistern, wurden eine Reihe von TV-Werbespots mit attraktiven deutschen Mädchen produziert. Es folgte der eigene Themensong „Waiting for a Girl Like You“ in den 90er Jahren und der gleichzeitigen Einführung von kleinen Flaschen (330 ml). Durch diese Strategie gelang dann auch der endgültige Durchbruch. Heute ist Blue Girl Sponsor von zahlreichen Großereignissen in Hongkong und über die Grenzen hinaus sehr bekannt.
Ein Besuch der Homepage von Blue Girl zeigt sofort sehr eindeutig die Marketingstrategie. Westlich aussehende Menschen in naturbelassener Umgebung sollen die deutsche Tradition dieses Gerstensaftes vermitteln. Ich bin aber etwas skeptisch was diese Tradition angeht. Im Internet ließen sich bei der Recherche nur schwierig Informationen zu diesem Bier finden. Vor allem der Brauort ist mir ein kleines Rätsel. Wer es besser weiß, darf mir gerne eine Rückmeldung dazu geben. Für mich wirkt dieses westliche Gehabe doch eher als Marketinglüge, die jedoch aufgegangen ist. Aber jetzt genug geschwafelt. Vielleicht schmeckt Blue Girl ja auch einfach richtig gut.

Blue Girl wird in China mit 4,5 % alc. Vol. verkauft, in den restlichen Ländern mit 5%. Ich habe eine Originalflasche aus Hongkong mit 5% getrunken.

Die durchsichtige Flasche zeigt einen recht hellen Gerstensaft. Auf dem Etikett tauchen die deutschen Begriffe Pilsener und Schutzmarke auf. Der Begriff „Excelsior“ (lat. „der sehr erhabene/ausgezeichnete“) leuchtet hell in der Fackel der Siegesgöttin Viktoria/Nike, die erstaunlich fröhlich drein blickt . Diese surft auf irgendwelchen Flügeln über die Wolken. Das verspricht mir ein episches Bier. Die Spannung steigt.
Beim Einschenken perlt das Bier recht schön und es bildet sich auch eine gute Schaumkrone. Nur etwas muffig riecht das Ganze. Mal sehen was die Zutatenliste sagt, vielleicht ist ja etwas komisches dabei… ok, die fehlt einfach mal ganz. Kann man machen. Vom Geschmack her fällt direkt auf, dass das Bier nicht so leicht ist wie so manch anderes asiatisches Bier. Die Alkoholprozente unterstützen dieses Gefühl. Anfangs kommt ein kurzes Gefühl von „Oh, überraschend lecker“ auf, doch wird danach mit einer Blutgrätsche in die Geschmacksnerven zerstört. Ein schwierig zu beschreibender Geschmack legt sich in den gesamten Mundraum. Nicht richtig eklig, aber irgendwie auch nicht gut. Das Bier wird brav ausgetrunken, am Ende bin ich aber doch eher froh, dass es das Einzige war. Denn nach dieser kleinen Flasche hat man einen sehr aufgeblähten Bauch. Der Geschmack im Mund bleibt auch erst mal erhalten. Alles in allem ein Bier das geschmacklich überrascht, aber eher negativ. Das, was manche asiatischen Biere zu wenig an eigener Note haben, hat dieses Bier zu viel. Und dann ist diese Note leider auch noch eher mangelhaft.

Mehr Infos unter: